DLT, Coins & CLC: Juristische Arbeit im Web3-Bereich (Teil 2)
- corporatelawclub

- 18. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Nachdem wir im ersten Teil unseres Sponsored Blogpost in Kooperation mit unserem Partner MME Legal | Tax | Compliance fundamentale Krypto-Schlüsselbegriffe erläutert haben, geben wir euch im zweiten Teil einen Einblick in die juristische Tätigkeit im Web3-Bereich.
Gerade die juristische Arbeit zeichnet sich in diesem Feld durch ein Zusammenspiel aus Beratung, regulatorischer Einordnung und technischer Neugierde aus. Nebst klassischen juristischen Fähigkeiten ist auch eine gewisse Affinität für Technologie, Unbekanntes zu erforschen und interdisziplinäre Fragestellungen erforderlich. Im vorliegenden Blogpost präsentieren wir Euch gemeinsam mit MME die spannenden Arbeitsmöglichkeiten und Projekte im Kryptobereich.

Ein klassischer Arbeitstag einer Web3-Anwältin/eines Web3-Anwalts
Welche Aspekte und Projekte beinhaltet ein klassischer Arbeitstag in einem so dynamischen Umfeld wie dem Web3-Bereich? Zeit ist Geld – Anfragen von Kundinnen und Kunden sind oft mit hohem Zeitdruck verbunden, denn erste rechtliche Einschätzungen müssen so schnell wie möglich geliefert werden, bspw. bei der Herausgabe eines Tokens oder bei regulatorischen Implikationen eines neuen Protokolls, welches als dezentrale Infrastruktur dienen soll. Die Möglichkeit einer vertieften Recherche folgt erst später. Der Markt ist volatil, der Lancierungszeitpunkt von Projekten entscheidend, und die Kundschaft global, wobei gerade wegen der Zeitverschiebung kurze Reaktionszeiten notwendig sind, um Projekte am Laufen zu halten. Es wird erwartet, dass die juristische Seite die technischen Grundlagen versteht, ohne dass die Kunden die Anwälte zuerst ausbilden müssen. Gleichzeitig existieren oft weder Entscheide des Bundesgerichts noch herrschende Lehre. Dies schafft wiederum Raum für eigene Dogmatik und Argumentation.
Darüber hinaus gibt es Projekte, die oft über Monate laufen und einen stark interdisziplinären Charakter aufweisen. Es gilt u.a. die geeignetste Gesellschaftsform abzuklären und zu untersuchen, inwiefern ein Produkt oder eine Dienstleistung durch die Finanzmarktgesetze erfasst wird. Die juristische Arbeit ist dabei stets mit steuerlichen und teilweise auch technischen Elementen verknüpft, wie bspw. Fragen hinsichtlich der Gewinnsteuer, der Mehrwertsteuer, Vergütungsmodellen mit Token oder Immaterialgüterrechten.
Vielfältige Klientenlandschaft: Vom Start-Up bis zum HNWI
Die Mehrheit der Mandanten stammt aus dem Start-up-Ökosystem – d.h. Softwarentwickler und Innovatoren. Parallel dazu stehen Finanzintermediäre und Finanzinstitute, welche digitale Vermögenswerte in ihr bestehendes Angebot integrieren wollen.
Daneben gibt es die Zusammenarbeit mit High Networth Individuals (HNWI), die oft auch zufällig zustande kommt: Wer vor zehn Jahren Bitcoin gemined[1] hat und nun plötzlich über ein grosses Vermögen verfügt, steht vor grundlegenden Entscheidungen: Wird zur Verwaltung der Vermögenswerte ein Unternehmen gegründet, wie soll das Erbe ausgestaltet werden, soll aus steuerlichen Gründen der Wohnort gewechselt werden, oder ist gar eine Selbstanzeige notwendig?
Der Web3-Bereich kann daher eher als Industrie und nicht als klassisches Rechtsgebiet angesehen werden; sie verlangt, Menschen aus ganz verschiedenen Wissenswelten abzuholen, um eine gute Beratung bieten zu können.
Know-how: Was müssen Anwälte mitbringen?
Vorwissen ist kein zwingender Faktor. Wesentlicher ist technologische Neugierde, das Interesse an der Schnittstelle zwischen Finanzmarktrecht und Technologie, Eigeninitiative und intellektueller Ehrgeiz. Vieles geschieht «on the job», aber man muss bereit sein, sich ohne Aufforderung einzulesen und die technischen Hintergründe verstehen zu wollen.
Obwohl Weiterbildungsangebote existieren (etwa die Blockchain-Ausbildung der Universität Basel), bleibt das Fundament praxisgetrieben. Praktikanten und neue Mitarbeitende werden regelmässig ermutigt, Seminare und spezifische Module zu besuchen, um den Einstieg zu erleichtern. Der Markt wird durch Seminare, Workshops und praxisnahe Module abgedeckt. Die Lernkurve bleibt daher stark selbstbestimmt.
Regulierungsentwicklung
Die regulatorische Dichte hat zugenommen, was jedoch nicht zu einer Erleichterung der Arbeit geführt hat. Behörden arbeiten zunehmend mit Rundschreiben, Praxispapieren und «Quasi-Recht», deren demokratische Legitimation begrenzt ist. Diese Dokumente verdienen Beachtung, doch juristisch besteht Raum für Kreativität, Widerspruch und eigenständige Argumentation. Kantonale Unterschiede sind für Unternehmen bei der Standortwahl insbesondere in Bezug auf die Steuern zentral. So bleibt etwa der Kanton Zug aufgrund seiner autonomeren Haltung für viele Unternehmensstrukturen attraktiver als andere Kantone.
Beim Erlass von Rundschreiben führt die FINMA eine Art Vernehmlassung durch, bei Guidelines wird darauf jedoch häufig verzichtet. Allenfalls werden Experten aus der Praxis konsultiert, sofern die FINMA auf Feedback angewiesen ist. Gleichzeitig stellt sich bei vielen Projekten aber die Vorfrage, ob das Projekt finanzmarktrelevant und damit in den Kompetenzbereich der FINMA fällt.
Auch steuerrechtlich ist das System vielschichtig: Die meisten Themen werden durch sogenannte Rulings der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV; zuständig für die Verrechnungssteuer, Stempelabgaben und Mehrwertsteuer) oder der kantonalen Steuerbehörden (zuständig für die direkten Steuern) geklärt. Steuerrulings vermitteln Rechtssicherheit, da sie die Vorabklärung einer steuerrechtlichen Sachverhaltsbeurteilung erlauben.
Schliesslich stellt die Verfolgung von Vermögens- oder Steuerdelikten im Kryptobereich in der Schweiz ein interessanter Punkt dar. Selbstanzeigen, etwa bei vergessenen Mining-Gewinnen oder bei nicht gemeldeten Wertsteigerungen, sind möglich und können strafbefreiend wirken.
USP der Arbeit im Web3-Bereich
Der besondere Reiz liegt in Projekten, die sprichwörtlich auf der grünen Wiese entstehen. Hier lässt sich vieles rechtlich und strukturell mitgestalten. Die langfristige Begleitung eines Teams schafft Kontinuität und erlaubt es, gemeinsam zu wachsen. Dies entspricht einer eher seltenen Kombination in der übrigen juristischen Praxis.
Ausblick
Die nächsten Jahre werden von Professionalisierung, regulatorischer Präzisierung und institutioneller Integration geprägt sein. Gleichzeitig bleibt das Feld dynamisch, innovativ und von technologischer Evolution getrieben. Der Einstieg in dieses sich noch entwickelnde Rechtsgebiet bietet sowohl Potenziale als auch inhärente Unsicherheiten.
Für dich bleibt nun die Frage: Möchtest Du diesen Weg gehen und deine zukünftige Tätigkeit aktiv mitgestalten?
[1] «Mining» bedeutet «Schürfen», also die Erzeugung neuer Bitcoin.


