top of page
Search

Wie sieht die Anwaltsprüfung in deinem Kanton aus?

Stehst du kurz vor deinem Masterabschluss oder denkst bereits über dein Substitutenjahr nach? Kennst du die unterschiedlichen Zulassungsvoraussetzungen des Kantons deiner Alma Mater und deines Heimatkantons? Im folgenden Blogpost haben für dich die wichtigsten Informationen rund um die Anwaltsprüfung der Kantone St. Gallen, Schwyz, Zürich und Zug zusammengetragen.



St.Gallen

Praktische Voraussetzungen

Als wichtige Voraussetzung gemäss Prüfungs- und Bewilligungsreglement für Rechtsanwälte und Rechtsagenten des Kantons St.Gallen (PBR)[1] musst du nach Abschluss deines Universitätsstudiums mindestens ein Jahr lang praktische Erfahrung im juristischen Bereich sammeln, damit du dich für die Anwaltsprüfung anmelden kannst.[2] Davon sind mindestens neun Monate im Kanton St.Gallen abzulegen, wovon wieder sechs Monate bei einer st. gallischen Anwaltskanzlei oder einem st. gallischen Gericht resp. der Staatsanwaltschaft absolviert werden müssen. Ein sechsmonatiges Praktikum bei einem Rechtsdienst von Behörden des Kantons oder der Gemeinde ist zwar juristischer Natur, erfüllt allein jedoch die nötigen Anmeldevoraussetzungen nicht. Ferner kann die Anwaltskammer ausserkantonale praktische Tätigkeiten im Umfang von drei Monaten anerkennen; dies wäre der Fall, wenn du bspw. ein Substitutenjahr in Zürich absolvieren würdest. Praktika beim Bund werden wie ausserkantonale Praktika behandelt (vorbehaltlich sind Tätigkeiten im juristischen Bereich beim Bundesverwaltungsgericht, welche als Praktika vor einem st.gallischen Gericht zu qualifizieren sind). Die Arbeit in den Rechtsabteilungen privater Unternehmen wird als juristische Tätigkeit nur dann anerkannt, wenn nachgewiesen werden kann, dass während des Praktikums unter Anleitung einer qualifizierten Juristin oder eines qualifizierten Juristen hauptsächlich rechtliche Fragestellungen behandelt wurden. In der Regel wird eine ausdrückliche Bestätigung darüber verlangt.



Prüfungsmodalitäten

Die Anwaltsprüfung findet zweimal jährlich statt; im Frühjahr läuft die Anmeldefrist jeweils vom 15. Oktober bis 15. Januar und im Herbst vom 15. April bis 15. Juli. Sie besteht aus einem schriftlichen Teil, gefolgt von einem mündlichen Teil. Der Kanton St.Gallen ist dafür beliebt, dass die schriftlichen und mündlichen Daten üblicherweise nahe beieinander liegen. Nachfolgend findest du exemplarisch die Prüfungsdaten 2024:


Frühjahr

-        Schriftlich: 7. und 8. März 2024

-        Mündlich: 11. März bis 15. März 2024

Herbst

-        Schriftlich: 29. und 30. August 2024

-        Mündlich: 2. bis 6. September 2024


Der schriftliche Teil dauert höchstens acht Stunden. In der schriftlichen Prüfung wird dir ein Rechtsfall oder mehrere Rechtsfälle zur Bearbeitung vorgelegt. Die Bearbeitung kann die Ausarbeitung von Urteilen, Gutachten, Rechtsschriften, Verträgen oder Plädoyers beinhalten. Der mündliche Teil ist öffentlich und dauert höchstens dreieinhalb Stunden. Wenn du dich mitten in der Prüfungsvorbereitung befindest, ist es eine gute Möglichkeit, erste Einblicke in den Ablauf der Anwaltsprüfung zu gewinnen. Unter Art. 6 des PBR findest du die zu prüfenden Rechtsgebiete aufgelistet, wobei sowohl eidgenössisches als auch kantonales Recht abgefragt wird. Eine Besonderheit in St.Gallen ist, dass du mit Erwerb des Anwaltspatents auch als Notarin oder Notar zugelassen bist – in anderen Kantonen muss hierfür eine zusätzliche Prüfung abgelegt werden.


Schwyz

Praktische Voraussetzungen

Die detaillierten Anforderungen an das Anwaltspraktikum und Verfahren der Anwaltsprüfung sind im Anwaltsreglement des Kantons Schwyz geregelt.[3] Vorerst ist ein schriftliches Gesuch an die Präsidentin oder den Präsidenten der Anwaltskommission einzureichen, welche/r dann über die Zulassung zum Anwaltspraktikum entscheidet. Das Anwaltspraktikum dauert mindestens ein Jahr und ist im Kanton Schwyz zu absolvieren, wovon mindestens sechs Monate bei einer im Anwaltsregister des Kantons Schwyz eingetragenen Person sein müssen. Für die restliche Praktikumszeit gilt die Tätigkeit beim Gericht, beim Rechts- oder Beschwerdedienst des Sicherheitsdepartements, aber auch bei der Staatsanwaltschaft oder Oberstaatsanwaltschaft. Die Aufzählung ist nicht abschliessend; die Anwaltskommission kann weitere geeignete Stellen bezeichnen.

Wichtig ist zu beachten, dass die Praktikumsbewilligungen des Kantons Luzern, Nidwalden, Obwalden Uri und Schwyz gegenseitig anerkannt werden. Demnach ist Rechtspraktikantinnen oder Rechtspraktikanten aus den genannten Kantonen vor Schwyzer Gericht Gegenrecht zu gewähren. Dies gilt nicht für die Kantone Zug und Zürich.



Prüfungsmodalitäten

Die Anmeldung für den schriftlichen Prüfungsteil erfolgt via Online-Anmeldeformular; da kannst du die bevorzugte Kalenderwoche für die Absolvierung der schriftlichen Prüfung angegeben. Die Termine zur mündlichen Prüfung werden jährlich von der Anwaltskommission im Amtsblatt publiziert. Die Anmeldungen sind spätestens 30 Tage zuvor beim Präsidenten der Anwaltskommission einzureichen. Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und mündlichen Teil. Zum mündlichen Teil wird nur zugelassen, wer den schriftlichen Teil bestanden hat. Der schriftliche Teil besteht aus zwei Teilprüfungen, wovon sich einer dem eidgenössischen und kantonalen Privat- und Strafrecht und der andere dem eidgenössischen und kantonalen Staats- und Verwaltungsrecht widmet. Jede Teilleistung ist in höchstens acht Stunden zu absolvieren. Eine Besonderheit der Prüfungsmodalität des Kantons Schwyz ist die Anwaltsprüfung selbst: Sie wird in digitaler Form durchgeführt und ist Open Book. Die mündliche Prüfung dauert i.d.R. zwei Stunden und die Prüfungsfächer erstrecken sich auf die in §8 Abs. 2 des Anwaltsreglements des Kantons Schwyz genannten Rechtsgebiete.




Zürich

Praktische Voraussetzungen

Zur Zulassung an die Anwaltsprüfung im Kanton Zürich muss ein juristisches Praktikum von mindestens zwölf Nettomonaten absolviert werden.[4]  Im Zeitpunkt der Anmeldung musst du bereits mindestens ein Jahr im Kanton Zürich wohnen oder eine anrechenbare Berufstätigkeit in Zürich ausüben. Die Praxiserfahrung muss in einer Anwaltskanzlei mit Geschäftsadresse in Zürich gesammelt werden unter Vorbehalt eines Praktikums am Bundesgericht in Lausanne, wobei von diesem Praktikum maximal sechs Monate angerechnet werden können. Des Weiteren wird ein (netto) zwölfmonatiges Praktikum bei der Staatsanwaltschaft, darunter auch bei der Ober- und Jugendstaatsanwaltschaft, oder bei einem Zürcher Gericht, vollständig angerechnet. Praktische Erfahrung kannst du beispielsweise auch in der juristischen Abteilung der Kantonspolizei Zürich sammeln. Von diesem Praktikum können jedoch nur höchstens drei Monate angerechnet werden.[5]



Prüfungsmodalitäten

Auch in Zürich ist die Prüfung in einen schriftlichen und einen mündlichen Teil gegliedert. Nachdem alle Voraussetzungen erfüllt sind, kann die telefonische Anmeldung beim Sekretariat der Prüfungskommission erfolgen, wobei sogleich ein Prüfungstermin fixiert wird.[6] Es folgt eine schriftliche Bestätigung und alle benötigten Beilagen sind fristgerecht einzureichen. Zeitlich ist die Anmeldung auf frühestens ein Jahr bis spätestens vier Monate vor der Prüfung befristet. Zur Vorbereitung stellt dir die Prüfungskommission alte Prüfungsbeispiele zur Verfügung.[7] Der schriftliche Prüfungsteil dauert zehn Stunden und setzt sich aus verschiedensten Rechtsfällen zusammen. Geprüft werden OR, übriges Zivilrecht (einschliesslich internationales Privatrecht), Zivilprozessrecht, SchKG sowie Anwaltsrecht.[8] Abhängig von der Referentin oder dem Referenten erhältst du einige Wochen nach Ablegen der schriftlichen Prüfung den Antrag der Referentin oder des Referenten, den er dem Ausschuss der Prüfungskommission stellen wird. Der definitive Beschluss der Anwaltsprüfungskommission wird i.d.R. nach zwei bis drei Monate zugesendet. Nach Erhalt eines positiven Resultats kann die mündliche Anmeldung, wiederum beim Sekretariat der Prüfungskommission, zur mündlichen Prüfung erfolgen. Die Einladung und Bekanntgabe der Referentinnen und Referenten und des Prüfungspartners erfolgen ca. einen Monat vor dem Prüfungstermin. Der mündliche Teil sollte innerhalb von den nächsten sechs Monaten durchgeführt werden. Er dauert ca. drei Stunden und wird mit einem anderen Kandidaten oder Kandidatin zusammen absolviert. Die Prüfung ist unter anderem eine Teamleistung, weshalb sich eine gemeinsame Vorbereitung lohnen würde. Die Prüfungsfächer ergeben sich aus §10 Abs. 3 lit. a – h der Prüfungsverordnung.

Nach der Beratung deiner mündlichen Prüfung, was bis zu einer Stunde dauern kann, erhältst du wiederum einen provisorischen mündlichen Entscheid deiner Resultate, gefolgt vom definitiven schriftlichen Entscheid. Bei bestandener Prüfung bist du mit Datum des Entscheides offiziell Rechtsanwalt oder Rechtsanwältin.



Zug

Praktische Voraussetzungen

Die Zuger Anwaltskammer setzt ein kantonales juristisches Praktikum von zwölf Monaten voraus. Davon müssen mindestens sechs Monate Praxiserfahrung bei einer Rechtsanwältin bzw. Rechtsanwalt, die oder der in einem kantonalen Anwaltsregister eingetragen ist, oder in der Rechtspflege gesammelt werden. Das Praktikum kann zudem in der Zuger Justiz, konkret beim Kantonsgericht, bei der Staatsanwaltschaft, beim Strafgericht oder beim Verwaltungsgericht durchgeführt werden, wobei die Praktika im Vollzeitpensum und auf Dauer von sechs Monaten terminiert sind. In der verbleibenden Zeit genügt die Arbeit unter Aufsicht einer Person mit Anwaltspatent zur Anrechnung. Des Weiteren wird vorausgesetzt, dass du in keinem Kanton bei der Anwaltsprüfung bereits definitiv abgewiesen worden bist.



Prüfungsmodalitäten

Das Gesuch zur Zulassung an die Anwaltsprüfung ist spätestens vier Monate vor dem geplanten Prüfungstermin schriftlich an den Präsidenten oder an die Präsidentin der Anwaltsprüfungskommission einzureichen und die darauffolgende Anmeldung hat telefonisch beim Sekretariat der Anwaltsprüfungskommission zu erfolgen.[9] Die Anwaltsprüfungskommission legt die Prüfungstermine im September des Vorjahres fest. Es werden vier Prüfungstermine pro Jahr angeboten. Im Jahr 2024 lauten die Termine wie folgt:

1.  Termin

-        Schriftlich: 19./21./23. Februar 2024

-        Mündlich: 21./24./28. Mai 2024

2. Termin

-        Schriftlich: 13./15./17. Mai 2024

-        Mündlich: 27./30. August und 03. September 2024

3. Termin

-        Schriftlich: 19./21./23. August 2024

-        Mündlich: 26./29. November und 03. Dezember 2024

4. Termin

-        Schriftlich: 18./20./22. November 2024

-        Mündlich: 25./28. Februar und 04. März 2025

Die schriftlich abzulegende Prüfung beinhaltet drei Arbeiten. Bei der Fallbearbeitung werden einerseits das Zivil- und Zivilprozessrecht (inkl. Gerichtsorganisation), andererseits das Straf- und Strafprozessrecht (inkl. Gerichtsorganisation) oder Staats- und Verwaltungsrecht (inkl. Verwaltungsrechtspflege) geprüft.[10] Es ist hervorzuheben, dass die dritte Arbeit die Beurkundungsprüfung umfasst, wobei du öffentliche Urkunden erstellen sowie Ergänzungsfragen beantworten musst. Zur Bearbeitung der Fälle und der Beurkundungsprüfung stehen dir je fünf Stunden zur Verfügung, jedoch ist der Zeitraum auf eine Woche ausgedehnt. Zur Vorbereitung werden dir u.a. alte Prüfungsaufgaben zu Verfügung gestellt, die du auf der kantonalen Website vorfindest.[11] Zusätzlich kannst du dir online bei der Interessensgemeinschaft der Anwaltspraktikanten des Kantons Zug (IGAP) oder bei der Stiftung für Rechtsausbildung weitere Unterstützung einholen.[12]

Nach erfolgreichem Abschluss der schriftlichen Prüfung wirst du zum mündlichen Teil zugelassen. Diese ist innert den darauffolgenden sechs Monaten abzulegen und dauert ca. zwei Stunden. Die prüfungsrelevanten Rechtsgebiete findest du in §5 Abs. 2 der Prüfungsverordnung des Kantons Zug. Die mündliche Prüfung wird von jeder Kandidatin und von jedem Kandidaten einzeln abgelegt.




Nach der Anwaltsprüfung ...

Nach erfolgreichem Bestehen der Anwaltsprüfung erwirbst du das Anwaltspatent des Kantons, in welchem du die Prüfung abgelegt hast, und wirst im Anwaltsregister eingetragen. Damit giltst du offiziell als Anwältin oder Anwalt und kannst – ungeachtet vom Kanton, indem du die Anwaltsprüfung absolviert hast – in der ganzen Schweiz Klienten und Klientinnen im gerichtlichen Verfahren anwaltlich vertreten. Wir hoffen, der vorliegende Blogpost hat dir einen ersten Einblick über die unterschiedlichen kantonalen Anforderungen und Modalitäten rundum die Anwaltsprüfung verschafft!





[2] Zu den fachlichen und persönlichen Voraussetzungen siehe Art. 14 des Anwaltsgesetzes des Kantons St. Gallen unter https://www.gesetzessammlung.sg.ch/app/de/texts_of_law/963.70.

[4] Findest du unter §5 lit. g der Verordnung des Obergerichts über die Fähigkeitsprüfung für den Anwaltsprüfung des Kantons Zürich: http://www.zhlex.zh.ch/Erlass.html?Open&Ordnr=215.11.

[7] Weitere hilfreiche Dokumente findest du beim Zürcher Auditoren und Gerichtsschreiber Verein vor.

[8] Die Prüfungsverordnung findest du unter: http://www.zhlex.zh.ch/Erlass.html?Open&Ordnr=215.11.

[9] Informationen rund um die Anwaltsprüfung (von der Zulassung bis zur Sammlung alter Prüfungsaufgaben) findest du unter: https://zg.ch/de/recht-justiz/rechtsanwalt-anwaeltin-werden/anwaltspruefung-im-kanton-zug#Anmeldung

[10] Die Prüfungsverordnung findest du unter: https://bgs.zg.ch/app/de/texts_of_law/163.2/versions/2276.

[12] IGAP: https://www.igap.ch/ ; Stiftung für Rechtsausbildung: https://www.rechtsausbildung.ch/ 



Comentarios


bottom of page