Wie bewerbe ich mich für ein Kurzpraktikum?
Interessierst Du Dich für Wirtschafsrecht und wolltest Du schon immer einmal bei einer Wirtschaftskanzlei reinschnuppern? Oder bist Du gerade auf der Suche nach einem Kurzpraktikum, weisst aber nicht, wie Du Dich am besten bewerben sollst? Dann ist dieser Guide genau das Richtige für Dich. Wir zeigen Dir, wie der Bewerbungsprozess abläuft und verraten Dir unsere besten Tipps, damit Du Dein Kurzpraktikum bald in der Tasche hast.

Kurzpraktikum im Überblick:
Die meisten grösseren Wirtschaftskanzleien bieten Studierenden die Möglichkeit, für ein paar Wochen einen Einblick in den Kanzleialltag zu bekommen. Typischerweise dauert ein Kurzpraktikum sechs Wochen, wobei die Dauer je nach Kanzlei variieren kann. Wann Du Dein Kurzpraktikum machst, hängt sowohl von Deinen eigenen Präferenzen als auch von den Kapazitäten der Kanzlei ab. Üblicherweise findet es in den Sommer- oder in den Winterferien statt. Im Sommer ist die Nachfrage häufig etwas höher und die Plätze sind entsprechend umkämpfter. Dafür gibt es im Sommer oft mehrere Timeslots (z.B. einen in der ersten und einen in der zweiten Hälfte der Sommerferien), wodurch insgesamt mehr Plätze zur Verfügung stehen. Gewisse Kanzleien bieten zudem die Möglichkeit an, das Kurzpraktikum während des Semesters zu absolvieren. Das kann insbesondere dann spannend für Dich sein, wenn Du nur noch Deine Bachelor- oder Masterarbeit schreiben musst und dadurch genügend Zeit hast, um nebenher ein Kurzpraktikum zu machen.
Unser Tipp: Falls Du noch nicht genau weisst, für welches Rechtsgebiet Dein Herz schlägt, probiere verschiedene Kanzleitypen aus. Dank der kurzen Praktikumsdauer kannst du im Verlauf Deines Studiums Einblicke in mehrere Kanzleien mit unterschiedlichen Schwerpunkten sammeln. So kristallisiert sich hoffentlich heraus, wo es Dir gefällt und in welcher Kanzlei Du Dich auch langfristig sehen könntest.
Bewerbungsvorbereitung:
Bevor Du Dich bewirbst, solltest Du Dir zuerst Gedanken darüber machen, für welche Rechtsgebiete Du Dich interessierst (z.B. anhand der Kurse, die Dir im Studium besonders gefallen haben) und welche Kanzleien in diesem Bereich tätig sind. Dabei musst Du Dich nicht zwingend bereits im Rechtsgebiet auskennen, in dem Du Dein Kurzpraktikum absolvieren möchtest. Viele Bereiche werden im Studium nur am Rande behandelt und die Kanzleien erwarten von Dir keine fundierten Fachkenntnisse, sondern vielmehr echtes Interesse und die Bereitschaft, Neues dazuzulernen. Bist Du noch unschlüssig oder möchtest Du eine Kanzlei vor dem Absenden Deiner Bewerbung näher kennenlernen, eignen sich Veranstaltungen wie die Law Days besonders gut. Dort hast Du die Gelegenheit, verschiedene Kanzleien und ihre Vertreter/innen (Partner/innen, Associates, Substitut/innen, HR) kennenzulernen und all Deine Fragen loszuwerden. Bevorzugst Du ein informelleres Setting, könnten die Events des CLC genau das Richtige für Dich sein. Bei unseren regelmässigen Kanzleibesuchen erwarten Dich nicht nur spannende Inhalte, sondern Du kannst Dich auch direkt und unkompliziert mit den anwesenden – nicht selten hochrangigen – Vertreter/innen der Kanzlei austauschen.
Unser Tipp: Erwähne in Deiner Bewerbung, dass Du die Kanzlei bzw. den/die konkrete/n Vertreter/in bereits an einem Event kennenlernen durftest. Das zeigt Dein persönliches Interesse und bietet gleichzeitig einen idealen Gesprächseinstieg für Dein Interview.
Bewerbungsprozess:
Hast Du Dich entschieden, wo Du Dich bewerben möchtest, geht es im nächsten Schritt an das Zusammenstellen Deiner Bewerbung. Das Bewerbungsdossier besteht grundsätzlich immer aus den gleichen Unterlagen:
Lebenslauf (CV): Hier führst Du alle für die Kanzlei relevanten Informationen auf (Ausbildung, berufliche Erfahrungen, Sprachkenntnisse, extracurriculare Aktivitäten usw.).
Begleitschreiben/Motivationsschreiben: Hier zeigst Du Deine Motivation auf und erklärst, warum Du Dich gerade für diese Kanzlei interessierst. Du kannst dabei auf Dein Studium, Deine Interessensschwerpunkte sowie Deine relevanten Kompetenzen und Erfahrungen eingehen, aber auch auf Dich als Person, etwa auf deine Hobbys oder Deine Arbeitsmoral. Insgesamt sollte hier Deine Persönlichkeit zum Ausdruck kommen.
Notenauszüge: Hier lädst Du die Auszüge Deiner Noten hoch. Achte darauf, dass Du alle geforderten Notenauszüge beilegst und diese vollständig sind. (Solltest Du Law & Economics studieren, dann vergiss zudem nicht, das LLE-Zertifikat bzw. eine Übersicht über die Fächer, welche Du bereits absolviert hast, beizulegen.)
Arbeitszeugnisse etc.: Hier hast Du die Möglichkeit, Deine bisherigen Arbeitsstellen auszuweisen, sofern Du von Deinem Arbeitgeber ein Zeugnis erhalten hast. Zudem kannst Du andere Zertifikate (z.B. Leadership-Zertifikate usw.) beifügen, die für die Kanzlei relevant sein könnten.
Foto: Oftmals wird verlangt, dass Du Deinen Unterlagen noch ein Foto von Dir beilegst. Es lohnt sich daher, ein professionelles Bild von Dir zur Hand zu haben. (Kleiner Tipp am Rande: An den Law Days kannst Du für wenig Geld ein professionelles CV-Foto von Dir machen lassen.)
Sobald Du alle Unterlagen beisammen hast, geht der Rest ganz schnell: Geh einfach auf die Website der Kanzlei Deiner Wahl und bewirb Dich entweder direkt über das Webformular oder schicke Deine Bewerbung an die angegebene E-Mail-Adresse. Hast Du diesen Schritt erledigt, gilt es, die Rückmeldung der Kanzlei abzuwarten. Das Prüfen Deiner Unterlagen kann dabei etwas Zeit in Anspruch nehmen – mach Dir also keinen Kopf, wenn Du nicht direkt am nächsten Tag eine Antwort erhältst.
Unser Tipp: Hast Du Dein Bewerbungsdossier einmal zusammengestellt, kannst Du es immer wieder verwenden. Achte jedoch darauf, die kanzleispezifischen Angaben – insbesondere die Adresse und den Namen der Kanzlei – jedes Mal sorgfältig anzupassen sowie gegebenenfalls deinen Notenauszug zu aktualisieren.
Interview:
Nach einer hoffentlich positiven Rückmeldung auf Deine Bewerbung folgt als nächster Schritt ein persönliches Vorstellungsgespräch. Dieses kann entweder vor Ort in der Kanzlei oder online per Videocall stattfinden und wird meistens mit ein bis zwei Vertreter/innen der Kanzlei geführt. Ziel des Interview ist es vor allem, Dich und Deine Motivation kennenzulernen. Vor theoretischen Rechtsfragen musst Du also grundsätzlich keine Angst haben. Trotzdem lohnt es sich, Dich auf das Gespräch vorzubereiten. Zum einen kannst Du ein wenig über die Kanzlei sowie ihre aktuellen Cases recherchieren. Konkrete Fragen dazu wirst Du zwar wohl nicht gestellt bekommen, aber es kann Dir helfen, Dich sicherer zu fühlen. Zum anderen ist es hilfreich, Dir für typische Interviewfragen bereits im Voraus eine mögliche Antwort zu überlegen. Hier ein paar Fragen, die klassischerweise bei einem Interview aufkommen können:
Warum möchtest Du zu unserer Kanzlei?
Welche Themengebiete reizen Dich besonders und warum?
Was denkst Du, sind Deine Stärken/Schwächen?
Warum wärst Du ein guter Fit für unsere Kanzlei?
Warum hast Du Dich für Deinen Studiengang entschieden?
Womit verbringst Du gerne Deine freie Zeit?
Am Schluss des Gesprächs bietet sich Dir meistens die Chance, eigene Fragen zu stellen. Diese Möglichkeit solltest Du unbedingt nutzen, denn so zeigst Du Dein Interesse an der Kanzlei und hinterlässt in der Regel einen positiven Eindruck. Damit Du Dir nicht erst im Interviewstress etwas überlegen musst, bietet es sich auch hier an, Dir vorab ein bis zwei Fragen zurechtzulegen. Du kannst Dich beispielsweise nach der Feedbackkultur der Kanzlei, nach ihren Erwartungen an Dich als Kurzpraktikant/in oder danach erkundigen, ob Du Dich speziell auf das Kurzpraktikum vorbereiten solltest. Falls Dir schon während des Gesprächs Fragen aufkommen oder Dich etwas vom Erzählten besonders interessiert, dann scheue Dich nicht, auch zwischendrin nachzufragen.
Obschon Bewerbungsgespräche im Allgemeinen nicht zu den angenehmsten Situationen gehören, musst Du wirklich keine Angst davor haben. Das Gespräch ist meistens relativ entspannt und es geht hauptsächlich darum, Dich als Person besser kennenzulernen. Solange Du also höflich bleibst und Dich nicht verstellst, wirst Du das ohne Probleme meistern.
Unser Tipp: Bereite Dich auf die wichtigsten Fragen (siehe Auflistung oben) vor und ansonsten: Be yourself! Oft geht es nämlich gar nicht darum, dass Du auf jede Frage die perfekte Antwort hast, sondern darum, ob der persönliche Fit zwischen Dir und der Kanzlei stimmt.
Wir hoffen, dass Dir dieser Guide weiterhilft und wünschen Dir viel Erfolg beim Bewerben!



