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Arbeiten zwischen Regulierung und geschäftlichem Risiko: Compliance in einer Bank

vor 3 Minuten
3 Min. Lesezeit

Compliance spielt in der heutigen Unternehmenswelt eine zentrale Rolle. Sie dient nicht nur der Einhaltung gesetzlicher und regulatorischer Vorgaben, sondern trägt auch dazu bei, Risiken frühzeitig zu erkennen, das Vertrauen von Kunden und Geschäftspartnern zu stärken und die Reputation eines Unternehmens zu schützen. Skandale bei Volkswagen, Siemens und Wells Fargo haben eindrücklich gezeigt, welche weitreichenden Folgen unzureichende Compliance-Strukturen haben können – von milliardenschweren Bussen bis hin zu nachhaltigen Reputationsschäden. Doch wie sieht die Arbeit in einer Compliance-Abteilung konkret aus? In Zusammenarbeit mit der Valiant Bank AG möchten wir euch genau diese Frage beantworten und euch einen Einblick in den Alltag einer Compliance-Abteilung einer Bank geben.

Mehr als nur Kontrolle

Wer bei Compliance zunächst an interne Kontrollen und das Durchsetzen von Regeln denkt, greift zu kurz. Die Aufgabe einer Compliance-Abteilung besteht zwar darin sicherzustellen, dass eine Bank gesetzliche, regulatorische und interne Vorgaben einhält. In der Praxis geht es jedoch ebenso darum, das Geschäft zu begleiten und Risiken frühzeitig zu erkennen.

Der Arbeitsalltag umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Themen. Dazu gehören etwa die Bekämpfung von Geldwäscherei, die Einhaltung von Sorgfaltspflichten, Verhaltens- und Marktregeln sowie die Umsetzung neuer regulatorischer Anforderungen. Gleichzeitig beraten Compliance-Mitarbeitende die verschiedenen Geschäftsbereiche und stehen im Austausch mit Aufsichts- und Revisionsstellen. Auch die Schulung von Mitarbeitenden gehört zu ihren Aufgaben.

Gerade diese Verbindung von regulatorischen Fragestellungen und wirtschaftlichen Interessen macht das Berufsfeld besonders spannend. Compliance bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Recht, Risiko und Geschäft.


Die Herausforderung: Regulierung und Innovation in Einklang bringen

Die Finanzbranche ist stark reguliert und die regulatorischen Anforderungen entwickeln sich laufend weiter. Gleichzeitig erwarten Kundinnen und Kunden schnelle, digitale und unkomplizierte Dienstleistungen.

Für Compliance-Abteilungen besteht die Herausforderung deshalb darin, regulatorische Vorgaben wirksam umzusetzen, ohne die Kundenerfahrung oder die Wettbewerbsfähigkeit der Bank unnötig einzuschränken. Es geht nicht darum, Innovationen zu verhindern, sondern um die Antizipation von neuen respektive veränderten Risiken und entsprechende tragfähige Lösungen zu entwickeln.


Welche Fähigkeiten braucht man in der Compliance?

Überraschenderweise hat Compliance wenig mit reinem Kontrollieren zu tun. Ein grosser Teil der Arbeit besteht aus Gesprächen, Beratung und der Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Fachbereichen.

Neben juristischem Verständnis sind deshalb insbesondere analytisches Denken, Kommunikationsfähigkeit und Urteilsvermögen gefragt. Wer im Compliance tätig ist, muss komplexe regulatorische Sachverhalte verständlich erklären und gleichzeitig die Geschäftsmodelle der Bank verstehen. Denn wer lediglich die Regeln kennt, aber die wirtschaftlichen Zusammenhänge nicht nachvollziehen kann, wird langfristig Schwierigkeiten haben.

Hinzu kommen Belastbarkeit und Standfestigkeit. Compliance-Mitarbeitende befinden sich regelmässig in Situationen mit hohem Zeitdruck und anspruchsvollen Interessenabwägungen. Entscheidungen müssen sorgfältig getroffen und gegenüber unterschiedlichen Anspruchsgruppen überzeugend vertreten werden. Nicht jede Entscheidung stösst unmittelbar auf Zustimmung. Umso wichtiger sind Integrität und die Fähigkeit, auch unbequeme Positionen sachlich zu vertreten.


Künstliche Intelligenz als Unterstützung

Wie in vielen anderen Bereichen hält künstliche Intelligenz auch in der Compliance zunehmend Einzug. Besonders bei der Analyse grosser Datenmengen bietet sie grosses Potenzial. So kann sie beispielsweise bei der Transaktionsüberwachung, der Erkennung von Auffälligkeiten, der Dokumentenanalyse oder der Auswertung der relevanten regulatorischen Bestimmungen eingesetzt werden.

Trotz ihres Potenzials kann künstliche Intelligenz menschliche Expertise nicht vollständig ersetzen. Gerade bei der Beurteilung komplexer Sachverhalte, der Einschätzung von Reputationsrisiken oder der Abwägung unterschiedlicher Interessen sind Erfahrung, Kontextverständnis und Urteilsvermögen weiterhin unverzichtbar.

Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft die Nachvollziehbarkeit von KI-Systemen. Im Bankensektor unterliegen Entscheidungen hohen regulatorischen Anforderungen und müssen jederzeit nachvollziehbar begründet werden können. Der Einsatz komplexer KI-Modelle steht diesem Anspruch teilweise entgegen, da ihre Entscheidungsprozesse oft nur eingeschränkt nachvollziehbar sind. Dies stellt Compliance-Abteilungen vor die Herausforderung, den Einsatz solcher Systeme mit den Anforderungen an Transparenz und Rechenschaftspflicht in Einklang zu bringen. Aus diesem Grund dient künstliche Intelligenz in der Praxis vor allem der Unterstützung von Mitarbeitenden, während die Verantwortung für den endgültigen Entscheid beim Menschen verbleibt.


Interessenkonflikte und Unternehmenskultur

Ein klassisches Thema im Compliance-Bereich sind Interessenkonflikte. Diese entstehen, wenn persönliche Interessen, Kundeninteressen und Unternehmensinteressen nicht vollständig übereinstimmen. Beispiele sind persönliche Wertschriftengeschäfte, Nebenmandate oder wirtschaftliche Anreize, die Entscheidungen beeinflussen könnten.

Um solchen Situationen vorzubeugen, verfügen Banken über interne Richtlinien, Offenlegungspflichten und regelmässige Schulungen. Entscheidend ist jedoch auch eine Unternehmenskultur, in der potenzielle Konflikte frühzeitig angesprochen werden können.

Die Compliance-Funktion kann durch Beratung, Sensibilisierung und die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen einen wesentlichen Beitrag zur Förderung einer integren Unternehmenskultur leisten. Sie ist jedoch nicht in der Lage, eine solche Kultur eigenständig zu etablieren. Zwar bilden klare Regeln und wirksame Kontrollmechanismen eine wichtige Grundlage, sie reichen allein jedoch nicht aus, um integres Verhalten nachhaltig sicherzustellen. Entscheidend ist vielmehr, dass Führungskräfte die angestrebten Werte glaubwürdig vorleben und ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem Mitarbeitende kritische Fragen stellen sowie Bedenken offen und ohne Hemmungen äussern können.


Fazit

Compliance ist weit mehr als die Kontrolle von Vorschriften. Die Tätigkeit ist geprägt durch eine hohe Interdisziplinarität, welche juristische Fragestellungen verbindet mit wirtschaftlichem Verständnis, strategischem Denken und der Fähigkeit, unterschiedliche Interessen miteinander in Einklang zu bringen.

Falls dir dieser interdisziplinäre Ansatz zusagt, du dich für Finanzmarktregulierung, Risikomanagement und unternehmerische Entscheidungsprozesse interessierst, könnte die Arbeit im Compliance genau das Richtige für dich sein.

 
 
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