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Recherchetools für deine juristische Arbeit

Das Erlernen des juristischen Schreibens ist Gegenstand jedes Jusstudiums. Nebst der Zitierweise, die im Standardwerk «juristisches Arbeiten» von Peter Forstmoser, Regina Ogorek und Benjamin Schindler anschaulich erklärt wird, bildet auch die vorgehende Recherche einen wichtigen Bestandteil des Arbeitenschreibens.


Egal in welchem Semester des Studiums du dich befindest: Für die Qualität deiner juristischen Seminararbeit, Bachelor- oder Masterarbeit sind die richtigen Informationsquellen entscheidend und fliessen in die Bewertung durch deine Professorinnen und Professoren ein. Mit diesem Blogpost möchten wir dir eine Strategie zur effizienten und ergiebigen Recherche vorstellen und verschiedene Tools zeigen, die dich bei der Recherche unterstützen können.



Tipps zur Vorgehensweise

Bevor du beginnst, kreuz und quer Begriffe in das Suchfeld der Bibliothekswebsite einzugeben, solltest du dir einen Überblick verschaffen. Entscheide dich vorerst für eine oder ein paar wenige Quellen, aus welchen eine Struktur für deine Arbeit abgeleitet werden kann. Meist steht hinter einem Thema eine Logik bzw. gewisse miteinander verbundenen Themenkeise, die du auch in deiner Arbeit anführen solltest. Schreibst du bspw. Arbeit über die Kapitalerhöhung, sind auch die Normen zur Generalversammlung relevant, da dieses Organ über die Kapitalerhöhung entscheidet. Das Inhaltsverzeichnis der Quelle kann aufschlussreich sein, um diese Zusammenhänge zu erschliessen. Auch die Lektüre eines Kommentars zu einem spezifischen Gesetzesartikel ist ein guter Ausgangspunkt, um eine erste Übersicht zu gewinnen.


Baue dir anhand dieser Zusammenhänge eine Grundstruktur im Sinne eines provisorischen Inhaltsverzeichnisses auf. Du kannst (und wirst) daran später Änderungen vornehmen – es hilft aber, ein Grundraster gelegt zu haben, an dem du dich beim Schreiben orientieren kannst. Das erlaubt dir bei der Recherche, Publikationen zu priorisieren, die für deine Arbeit relevant sind. Die restlichen Publikationen, die nicht wirklich etwas mit dem Thema der Arbeit zu tun haben, kannst du so einfach überfliegen, anstatt diese im Detail zu analysieren. Sollte sich eine solche Quelle später doch als relevant herausstellen, weisst du bereits, wo du suchen musst.


Ebenfalls möchten wir dir die 80/20 – Regel empfehlen: Bringe zuerst die gesamte Arbeit so auf Papier, dass diese zu ungefähr 80% abgabefertig ist. Damit ist das Niederschreiben der thematisch relevanten Inhalte in ganzen Sätzen gemeint, auch wenn die Formulierungen noch nicht geschliffen sind und hier und da noch Gedankensprünge zu finden sind. So kannst du unnötigem und zeitaufwändigem Perfektionismus vorbeugen. Gerade wenn die Zeit bis zur Abgabe knapp ist, ist es besser, eine (fast) ganze Arbeit in den Händen zu halten, als nur ein einziges, dafür perfekt ausformuliertes und orthographisch fehlerloses Kapitel. Geschriebenes kann immer überarbeitet werden. Es ist sogar einfacher, in zwei Schritten vorzugehen, als von Anfang an einen ausgeschrieben Text zu formulieren.


Recherchetools

Wie oben angetönt ist es entscheidend, die richtigen Quellen zu finden. Hierfür stellen wir dir im Folgenden die wichtigsten Recherchetools für juristische Arbeiten vor und zeigen Tipps und Tricks, wie du diese bei der Recherche besser einsetzen kannst.


Swisslex

Swisslex ist wohl die grösste Online-Datenbank für juristische Quellen. Auf Swisslex sind von Lehrbüchern über Kommentierungen verschiedenster Verlage bis hin zu juristischen Zeitschriften zahlreiche Werke zu finden.

Meist ist es hilfreich, die Recherche mit einer Suche auf Swisslex zu beginnen. Das Suchtool der Swisslex-Datenbank hilft dir, mit Schlagwörtern einen guten Überblick über vorhandene Literatur zu erhalten.

Durch die Filterfunktionen kannst du ebenfalls einstellen, welche Ergebnisse Du angezeigt bekommen möchtest. Du kannst so beispielsweise festlegen, welche Art von Quelle du suchst (nur Bücher, nur Kommentierungen, nur Zeitschriften, nur Entscheidungen, die ein besonderes Stichwort enthalten?). Auch die Funktion, Werke erst ab einer bestimmten Jahreszahl anzuzeigen, ist von grosser Relevanz – einerseits, da Du so stets die Verwendung der aktuellen Fassung sicherstellen kannst, und andererseits, weil Du gezielt Gesetzesrevisionen beachten kannst.

Auf Youtube gibt es ein gutes Tutorial, das die Vorgehensweise einfach erklärt: Swisslex Youtube


Der Datumsregler befindet sich oben links bei der Trefferanzeige.

Legalis

Legalis ist ähnlich wie Swisslex eine Datenbank für juristische Publikationen. Das wichtigste Werk, das exklusiv auf Legalis abrufbar ist, ist die Sammlung der Basler Kommentare (BSK). Auch die Commentaires Romands sind hier zu finden. Neben den Basler Kommentaren und den Commentaires Romands findet man auf Legalis auch die Sammlung der Kurzkommentare (KuKo) und eine breite Auswahl an juristischen Fachzeitschriften.


Französisch mag im ersten Moment abschreckend sein, vor allem wenn es sich um komplizierte Fachsprache handelt. Es lohnt es sich aber, insb. für umfangreiche Arbeiten, den Röstigraben zu überwinden und zumindest kurz nachzuschlagen, was in der Westschweizer Literatur geschrieben wurde. Doch auch für Französisch-Muffel hat Legalis eine Lösung bereit: Mit der LexMachina-Funktion kannst du direkt via Markieren + «Übersetzen ins Deutsche» ganze Textblöcke innert Sekunden und auf hoher Qualität ins Deutsche übersetzen lassen.


Durch das Markieren des Texts öffnet sich automatisch ein Pop-Up mit der LexMachina-Funktion.
«Übersetzen ins Deutsche» öffnet ein kleines Fenster, das die Übersetzung direkt anzeigt.

Sowohl Swisslex wie auch Legalis sind kostenpflichtige Portale. Die meisten Schweizer Universitäten bieten ihren Studierenden jedoch freien Zugang, solange man sich über ein Netzwerk an der Uni oder das bereitgestellte VPN einloggt. Gerade das VPN stellt sicher, dass Du von überall auf Swisslex und Legalis zugreifen kannst.


Entscheidsuche.ch

Gerichtsentscheide geben wichtige Hinweise zur Auslegung der Gesetze und deren praktische Anwendung. Sie werden in ZGB 1 III unter dem Begriff «Überlieferung» sogar erwähnt. Auch wenn Präjudizien in der Schweiz keine derart grosse Bedeutung zukommt wie in den Common Law-Nationen wie USA oder Grossbritannien, formen Gerichtsentscheide die spätere Gesetzesanwendung oder füllen Lücken, die der Gesetzgeber hinterlassen hat.

Auf Entscheidsuche.ch kannst du nach Gerichtsentscheiden aller Instanzen suchen. Am wichtigsten sind die Entscheide des Bundesgerichts, der höchsten Instanz. Bei gewissen Nischenthemen kann es auch sein, dass das Bundesgericht noch nie über einen relevanten Sachverhalt befinden musste. Gerade in solchen Situationen können kantonale Entscheidungen wichtige Quellen darstellen, die auf der Suche nach BGEs untergehen könnten.


Die Suchmaske von Entscheidsuche.ch ist sehr präzise, aber auch etwas unintuitiv. So findet eine Suche nach dem Schlagwort «Eigentümer» nur Tref


fer, in denen auch das Wort «Eigentümer» vorkommt. Bereits Entscheide, die das Wort «Eigentümerin» verwenden, würden nicht mehr angezeigt werden. Sollten bei einer Suche nach «Eigentümer» auch Formen wie «Eigentümers» oder «Eigentümerin» angezeigt werden, so muss hinter dem Stichwort ein Sternchen gesetzt werden: «Eigentümer*». Dies ist nur eine von vielen Modifikationen, die Du zur effizienten Suche anwenden kannst. Eine vollständige Übersicht findest Du unter diesem Link direkt auf der Website von Entscheidsuche.ch, welchen es sich lohnt, kurz zu konsultieren: Suchhilfe


Google Scholar und die universitären Datenbanken

Auf den ersten Blick mag es überraschend sein, Google Scholar in einer Liste für juristische Recherche-Tools zu finden, und das noch zusammen mit den universitären Datenbanken. Zahlreiche Universitäten unterhalten Datenbanken mit den Publikationen ihrer Mitarbeitenden. Bei der Universität Zürich heisst diese ZORA, bei der Universität St. Gallen heisst sie Alexandria. In diesen sind auch zahlreiche Arbeiten und Papers von Rechtsprofessorinnen und -professoren zu finden.


Anstatt diese Datenbanken mühsam einzeln zu durchsuchen, kann Google Scholar genutzt werden. Es zeigt dir Treffer aus allen Datenbanken an. Falls du also auf der Suche nach Inputs aus der Akademie bist, oder deine Recherche spezifisch ergänzen willst, ist Google Scholar ein schnelles und effizientes Tool. Zudem ist Google Scholar, anders als Swisslex und Legalis, nicht auf die Schweiz begrenzt und deshalb auch für einen Einstieg in die rechtliche Literatur eines anderen Landes geeignet. Wie bei Google gibt es auch auf Google Scholar zahlreiche Filtereinstellungen, die die Suche präzisieren. Unter folgendem Link findest Du die wichtigsten Funktionen: Google Scholar


Die Top-5-Treffer für «genehmigte Kapitalerhöhung» auf Google Scholar beinhalten je eine Publikation eines ETH-, eines UZH- und eines HSG-Professors, aber auch Resultate aus Deutschland.

Abschliessende Worte

Eine gute Literatur-Recherche ist die Grundlage für eine erfolgreiche juristische Arbeit. Doch der Einstieg in das scheinbar unendliche Meer an möglichen Quellen kann schnell überfordernd wirken und die Motivation, sich mit einem Thema vertieft auseinanderzusetzen und mit der Arbeit anzufangen, sofort ausbremsen. Wir vom Corporate Law Club hoffen, dass dir dieser Blogpost eine gute Übersicht zur effizienten juristischen Recherche bietet und dir die nächste Arbeit so etwas leichter von der Hand geht. Viel Erfolg!


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